Der Vorhang geh auf – knisternde Erwartung bei den Zuschauern. Was wird geboten? Spannung bei den Schauspielern, Lampenfieber! Der Blutdruck auf Hochtouren! Immer die gleiche bange Frage: Was muss ich als erstes sagen?

Das Theaterspielen ist schon immer eine besondere Welt gewesen. So ist es noch heute und war es mit Sicherheit auch schon vor 122 Jahren, als der damalige Vorstand Alois Bach innerhalb des Stammvereins das „Rosenheimer Volkstheater“ gründete. Ziel war es ein Bauerntheater nach Vorbild des berühmten Theaters in Schliersee zu schaffen. Aufgrund des wachsenden Interesses am Landleben wollte man dabei den Touristen mit Volksstücken und Bauernpossen, eine „heile Welt der Berge voller naiver Dramatik“  vermitteln. Nebenbei förderte man natürlich dadurch noch das gesellige Beisammensein unter den Mitgliedern, was wiederum dem Zusammenhalt des Gesamtvereins diente.

Das Bauerntheater begann den Spielbetrieb 1894 mit dem Volksstück „Der Schlagring“. Ein Volksstück aus den bayerischen Bergen mit Gesang, in welchem die „Sitten und Gebräuche unserer biederen Gebirgsbewohner“ dargestellt wurden. Es wirkten damals 20 Schauspieler auf der Bühne im Saal „Zur alten Post“ mit. Bei der Premiere am 11. Februar ernteten die Darstellungskunst und das Bühnenbild, welches vom Spielleiter und Bildhauer Alois Bach eigens angefertigt wurden, tosenden Applaus. So kam es, dass das Stück bis in den Juni hinein regelmäßig aufgeführt wurde und zuletzt den Rosenheimer Stadtmagistrat davon überzeugte dem Bauerntheater die Genehmigung zu erteilen, die Vorstellungen das ganze Jahr über fortzusetzen.  Mit Stücken wie „Der Tatzlwurm“, „Die Johannisnacht“, „Förster und Wildschütz“, „Am Wetterstein“ und „Der Wilderer“, setzte Alois Bach sein Bestrebungen die Zuschauern  mit  den „neusten, besten oberbayerischen Volksstücke bei möglichst guter Ausstattung“ zu unterhalten in den darauffolgenden Jahren gelungen fort. Damit regte er auch andere regionale Vereine es ihm gleichzutun und Theatervereine zu gründen.

Nicht nur die Rosenheimer durften in den Geschmack der bäuerlichen Lustspiele und Volkstücke von Alois Bach kommen. Das Bauerntheater war eines der ersten, das neben den örtlichen Vorstellungen auch zahlreiche Gastspiele in benachbarten Gemeinden und auch Städten wie München und Landshut gab. Einen Höhepunkt stellte hierbei sicherlich die Einladung auf das Schloss Neubeuern durch den Freiherrn von Wendelstatt dar. Da durften die Rosenheimer vor Ihrer Hoheit, der Königin von Württemberg, ihre Spielkunst zeigen.

Nachdem Alois Bach nach neunjähriger Vorstandschaft sein Amt im Trachtenverein niederlegte, um sich mit dem Bauerntheater selbstständig zu machen führte der Stammverein weiterhin Theaterstücke, unter dem Namen „Volkstheater des Gebirgstracht- Erhaltungsvereins Rosenheim I (Stammverein)“ im kleineren Rahmen auf.

Auch heute wird das Theaterspiel im Stammverein gepflegt. Bei den adventlichen Nikolausfeiern sind das Hirtenspiel und ein bis zwei unterhaltsame Luststücke ein fester Bestandteil. Vor der Aufführung liegt jedoch stets eine lange Vorbereitungszeit:

Am Anfang steht die Suche nach einem geeigneten Stück in bayerischer Mundart. Ist diese gewählt und die passenden Spieler dafür gefunden, trifft man sich zur erst Leseprobe. Hier beginnen die ersten Diskussionen: „Na, des ko i ned spuin“, „Des is aber vui Text“, „Wia? De muass i küssn?“.

Diese Kommentare machen die ersten Proben zu einem lustigen, oftmals der Phantasie freien Lauf gebenden Abend. Nach 2 – 3 Leseproben beginnen die Proben in der Kulisse. Am Anfang haben dabei die Spieler noch ihren Text in der Hand, doch schon bald heißt es: Spielen ohne Buch. Die folgenden Proben sind für die Spieler recht schwierig – hohe Konzentration ist gefragt. Nicht nur der Text muss jetzt sitzen, sondern auch das Spiel.

 

Der Termin der Aufführung rückt immer näher: die Bühne steht, Kostüme sind besorgt, das Bühnenbild ist gestaltet und die Requisiten sind herbeigeschafft.  Nun macht sich Nervosität langsam breit. Bis zur Generalprobe glaubt man es nie zu schaffen. Wie erwartet läuft diese dann auch noch schlecht. Schauspieler sind jedoch abergläubisch: Generalprobe schlecht – Aufführung gut.

Dann ist es endlich so weit. Das Klingelzeichen ertönt. Gleich geht der Vorhang auf, ein leises „Toi, toi, toi“ und das Spiel beginnt. Nach wenigen Minuten ist die Nervosität vergessen. Der Applaus am Ende des Stückes zeigt, dass das Publikum Spaß am Spiel hatte. Geht der Vorhang dann zum letzten Mal zu, kommt eine gewisse Traurigkeit auf. Alles vorbei. Man würde gerne noch weiterspielen. Alle sind sich einig, dass sie beim nächst Mal wieder gerne dabei sind.

Wir können stolz darauf sein, dass sich die Leidenschaft am Theater in unserem Verein schon so lange gehalten hat.  Seit mehr als einem Jahrhundert setzen wir uns nun schon  konsequent für die Pflege und Erhaltung unseren kulturellen Erbes ein. Denn Volkstheater und Bayern -  das gehört einfach zusammen. Und so soll es auch in den kommenden Jahrzehnten jedes Jahr wieder heißen:

„Vorhang auf“

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